Österreichs geheimer Vorteil: Das 13. und 14. Monatsgehalt
Österreichische Arbeitnehmer erhalten zwei zusätzliche Monatsgehälter, die mit nur 6% besteuert werden. Erfahren Sie, wie dieses System funktioniert und wie viel Sie im Vergleich zu Deutschland sparen.
Ursprünglich auf English verfasst von Marco Richter.
Österreichs versteckter Steuervorteil
Österreich teilt viele Ähnlichkeiten mit dem benachbarten Deutschland: dieselbe Sprache, ähnliche Steuerklassen, vergleichbare Sozialversicherungsstrukturen. Aber Österreich hat einen bedeutenden Vorteil, der das Nettogehalt für Arbeitnehmer spürbar erhöht: die 13. und 14. Monatszahlungen, bekannt als Sonderzahlungen, die pauschal mit 6 % statt mit den regulären progressiven Einkommensteuersätzen besteuert werden.
Das bedeutet, dass österreichische Arbeitnehmer effektiv zwei zusätzliche Monatsgehälter pro Jahr erhalten, die kaum besteuert werden. Für einen Arbeitnehmer mit 50.000 EUR bedeutet dieser Steuervorteil etwa 1.500-2.500 EUR mehr an jährlichem Nettogehalt im Vergleich dazu, was sie erhalten würden, wenn alle Einkünfte zu regulären progressiven Sätzen besteuert würden.
Dieser Leitfaden erklärt, wie das System funktioniert und warum es Österreich zu einer attraktiven Option macht, besonders für Arbeitnehmer, die Möglichkeiten zwischen Österreich und Deutschland vergleichen. Berechnen Sie Ihr österreichisches Gehalt mit unserem Österreich-Rechner.
Wie das 13. und 14. Monatsgehalt funktioniert
In Österreich verlangen die meisten Kollektivverträge von Arbeitgebern, Arbeitnehmern ein 13. Gehalt im Juni (Urlaubsgeld) und ein 14. Gehalt im Dezember (Weihnachtsgeld) zu zahlen. Dies sind keine optionalen Boni, sondern gesetzlich durch Kollektivverträge vorgeschrieben, die über 95 % der österreichischen Arbeitnehmer abdecken.
Wie es finanziell funktioniert: Ein Bruttojahresgehalt von 50.000 EUR ist typischerweise als 14 Zahlungen strukturiert. Das „monatliche" Gehalt beträgt 50.000 / 14 ≈ 3.571 EUR. Zwölf dieser Zahlungen sind Ihr reguläres Monatsgehalt, und zwei sind die Sonderzahlungen (Sonderzahlungen).
Der Steuervorteil: Die beiden Sonderzahlungen (insgesamt etwa 7.143 EUR in diesem Beispiel) werden pauschal mit 6 % besteuert, plus Sozialversicherungsbeiträge. Die regulären 12 Monatszahlungen werden zu den normalen progressiven Sätzen (20 % bis 55 %) besteuert.
Die Mathematik: Auf die 7.143 EUR an Sonderzahlungen beträgt die Einkommensteuer nur 429 EUR (6 %). Wenn dasselbe Einkommen zu regulären progressiven Sätzen besteuert würde, würde die Steuer etwa 2.400-3.000 EUR betragen, abhängig von Ihrem Gesamteinkommensniveau. Die Einsparung beträgt etwa 2.000-2.500 EUR pro Jahr.
Wichtig: Es gibt einen steuerfreien Freibetrag von 620 EUR pro Jahr auf die Sonderzahlungen, was bedeutet, dass die ersten 620 EUR der Sonderzahlungen vollständig steuerfrei sind. Dies reduziert den effektiven Steuersatz auf diese Zahlungen weiter.
Sehen Sie, wie sich dies auf Ihr spezifisches Gehalt auswirkt, mit unserem Österreich-Rechner.
Gross Salary
€50.000
Income Tax
€6.025 (12.0%)
Health Insurance
€1.935 (3.9%)
Pension Insurance
€5.125 (10.3%)
Unemployment Insurance
€1.475 (2.9%)
AK + Housing Contribution
€500 (1.0%)
Net Salary
€34.940 (69.9%)
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Österreich vs. Deutschland: Der echte Vergleich
Österreich und Deutschland werden häufig verglichen wegen ihrer gemeinsamen Sprache und ähnlichen Volkswirtschaften. Hier ist, wie sich die Steuersysteme in der Praxis unterscheiden:
Einkommensteuerstufen: Österreichs Stufen unterscheiden sich leicht von Deutschlands: - Bis 12.816 EUR: 0 % - 12.817 bis 20.818 EUR: 20 % - 20.819 bis 34.513 EUR: 30 % - 34.514 bis 66.612 EUR: 40 % - 66.613 bis 99.266 EUR: 48 % - 99.267 bis 1.000.000 EUR: 50 % - Über 1.000.000 EUR: 55 %
Deutschlands Sätze reichen von 14 % bis 45 %, mit einer glatteren progressiven Kurve. Österreichs Sätze sind in den mittleren Stufen etwas höher, bieten aber den massiven 13./14. Monatsvorteil.
Sozialversicherung: Österreichische Arbeitnehmer zahlen etwa 18,12 % an Sozialversicherung (Gesundheit 3,87 %, Rente 10,25 %, Arbeitslosigkeit 3 %, Wohnbauförderungsbeitrag 0,5 % und weitere kleinere Beiträge). Deutsche Arbeitnehmer zahlen etwa 20 % (Gesundheit ~8,15 %, Rente 9,3 %, Arbeitslosigkeit 1,3 %, Pflege ~2,0 %). Österreichs Sozialversicherungssatz ist etwas niedriger.
Nettogehaltsvergleich bei 50.000 EUR: Auf diesem Gehaltsniveau nimmt ein österreichischer Arbeitnehmer typischerweise etwa 1.000-1.500 EUR mehr pro Jahr mit nach Hause als ein deutscher Arbeitnehmer, hauptsächlich aufgrund des 13./14. Monatssteuervorteils. Der Unterschied wächst bei höheren Gehältern.
Familienleistungen: Österreichs Familienbonus Plus bietet eine Steuergutschrift von 2.000 EUR pro Kind pro Jahr (bis zum Alter von 18 Jahren), die direkt von der Einkommensteuer abgezogen wird. Deutschland bietet Kindergeld von 250 EUR pro Monat pro Kind (3.000 EUR pro Jahr), was eine direkte Zahlung anstelle einer Steuergutschrift ist. Für Familien sind beide Systeme großzügig, funktionieren aber unterschiedlich.
Vergleichen Sie die beiden Länder bei jedem Gehaltsniveau mit unserem Österreich-Rechner und Deutschland-Rechner.
Sozialversicherung in Österreich
Österreichs Sozialversicherungssystem, verwaltet von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) für die meisten Arbeitnehmer, deckt Gesundheit, Rente, Arbeitslosigkeit und Arbeitsunfallversicherung ab. Hier ist, wie sich die Arbeitnehmerbeiträge aufteilen:
Krankenversicherung: 3,87 % des Bruttogehalts. Dies bietet volle Deckung einschließlich Arztbesuchen, Krankenhausversorgung, verschreibungspflichtigen Medikamenten und Zahnpflege. Die österreichische Krankenversicherung deckt auch Angehörige (Ehepartner und Kinder) ohne zusätzliche Kosten ab.
Rentenversicherung: 10,25 % des Bruttogehalts. Österreichs Staatsrente ist bemerkenswert großzügig und ersetzt etwa 80 % der durchschnittlichen Lebensverdienstent für eine volle Beitragskarriere (45 Jahre), eine der höchsten Ersatzraten in Europa. Zum Vergleich: Deutschlands Staatsrente ersetzt etwa 45-50 %.
Arbeitslosenversicherung: 3 % des Bruttogehalts. Arbeitslosenleistungen in Österreich ersetzen etwa 55 % des vorherigen Nettoeinkommens und sind für 20 bis 52 Wochen verfügbar, abhängig von Alter und Beitragshistorie.
Weitere Beiträge: Wohnbauförderungsbeitrag bei 0,5 %, plus kleine Beträge für die Mitarbeitervorsorgekasse bei 1,53 % (vom Arbeitgeber bezahlt).
Beitragsobergrenzen: Sozialversicherungsbeiträge sind bei einem monatlichen Bruttogehalt von etwa 6.060 EUR (72.720 EUR jährlich) gedeckelt. Einkommen über dieser Obergrenze unterliegt keinen Sozialversicherungsbeiträgen, was Besserverdienern zugutekommt.
Praxisbeispiel bei 50.000 EUR: Arbeitnehmer-Sozialversicherungsbeiträge betragen insgesamt etwa 9.060 EUR pro Jahr (18,12 %). Kombiniert mit der Einkommensteuer (reduziert durch den 13./14. Monatsvorteil) beträgt die effektive Gesamtabzugsrate etwa 35-37 %. Berechnen Sie die genauen Zahlen in unserem Österreich-Rechner.
Praktische Tipps für die Arbeit in Österreich
Steuererklärung (Arbeitnehmerveranlagung): Österreichische Arbeitnehmer können eine jährliche Steuererklärung einreichen, um zusätzliche Abzüge geltend zu machen. Anders als in Deutschland ist die Einreichung für die meisten Arbeitnehmer optional, aber oft lohnenswert. Übliche Abzüge umfassen Pendlerkosten (Pendlerpauschale, großzügiger als Deutschland für längere Distanzen), Werbungskosten, Kinderbetreuungskosten, Spenden an qualifizierte Organisationen und Kirchensteuer.
Pendlerpauschale: Österreich bietet einen großzügigen Pendlerabzug basierend auf der Entfernung von Zuhause zur Arbeit und ob öffentliche Verkehrsmittel verfügbar sind. Die Pauschale reicht von 696 EUR bis 3.672 EUR pro Jahr je nach Entfernung und ist deutlich großzügiger als Deutschlands Kilometer-Abzug für Arbeitnehmer mit längeren Pendelstrecken.
Familienbonus Plus: Wenn Sie Kinder haben, stellen Sie sicher, dass Ihr Arbeitgeber den Familienbonus Plus (2.000 EUR pro Kind unter 18, 650 EUR für Kinder 18+ in Ausbildung) in Ihrer monatlichen Gehaltsabrechnung anwendet. Dies ist eine Steuergutschrift, was bedeutet, dass sie Ihre Einkommensteuer direkt um diesen Betrag reduziert. Für eine Familie mit zwei Kindern ist dies eine Steuerreduktion von 4.000 EUR pro Jahr.
Grenzüberschreitendes Pendeln: Wenn Sie in Deutschland oder einem anderen Nachbarland leben und in Österreich arbeiten, bestimmen besondere bilaterale Steuerabkommen, wo Sie Steuern zahlen. Generell wird Arbeitseinkommen in dem Land besteuert, in dem Sie arbeiten. Holen Sie Rat von einem Steuerberater (Steuerberater) ein, wenn Sie in dieser Situation sind.
Lebenshaltungskosten: Wien wird durchweg als eine der lebenswertesten Städte der Welt eingestuft. Während die Mieten gestiegen sind, bleiben sie deutlich niedriger als in München, Zürich oder Paris. Eine Einzimmerwohnung im Zentrum Wiens kostet etwa 900-1.200 EUR pro Monat. Außerhalb Wiens bieten Städte wie Graz, Linz und Salzburg noch erschwinglicheres Wohnen.
Kirchensteuer (Kirchenbeitrag): Anders als in Deutschland, wo die Kirchensteuer vom Arbeitgeber abgezogen wird, wird die österreichische Kirchensteuer direkt von der Religionsgemeinschaft in Rechnung gestellt. Der Satz beträgt etwa 1,1 % des Bruttoeinkommens. Dieser Betrag ist steuerlich absetzbar (bis zu 600 EUR pro Jahr). Wenn Sie aus der Kirche austreten, informieren Sie Ihre Religionsgemeinschaft direkt.
Für eine vollständige Aufschlüsselung Ihres österreichischen Nettogehalts verwenden Sie unseren Österreich-Rechner.
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